Der Punk und die Moral…
Mahlzeit miteinander. Wer mich ein bisschen kennt, weiß vllt. auch, dass ich ideologisch dem Punk relativ nahe stehe. Nachdem ich in der näheren Vergangenheit mit mehreren vermeintlich gleichgesinnten über dies und das diskutiert habe, dachte ich, ich geb mal einen kurzen Abriss darüber. Wir haben ja schließlich noch ne rechtlich gesicherte Meinungsfreiheit.
Also, anlässlich des von der NPD initiierten Anti-Islam-Kongresses in Köln vor einer Woche gab’s natürlich wieder Zoff zwischen diversen politisch gefärbten Parteien. Und wer sich heute “Punk” nennt, für den gehört es offenbar zum guten Ton, den (Neo)Nazis ihre politische Einstellung dadurch madig zu machen, ihre Aktionen, die zwar möglicherweise moralisch nicht einwandfreie Ziele haben, aber dennoch demokratisch gesehen total legitim sind, nach Kräften zu stören. So empfinden es einige Bremer Antifas (deren Namen mir bekannt sind) als ihre Pflicht “den Faschos aufs Maul zu hauen”, sollten sich die Wege der NPD und der Antifa kreuzen. Kinners, lasst euch gesagt sein: Ihr werdet dadurch nicht glaubwürdiger. Es mag ja prinzipiell richtig sein, Nationalismus und Faschismus für sich abzulehnen, aber ihr überzeugt niemanden dadurch, dass ihr die vermeintlich “falsche” Meinung versucht durch Fäuste zu ersticken. Wenn nämlich Lieschen Müller abends um viertel nach Acht die Tagesschau sieht, sieht sie, wie die Antifas auf den Demo-zug der NPD einstürmen und denen “aufs Maul hauen”. Guter Protest funktioniert anders. Aber man wähnt sich ja auf der sicheren Seite, also wird über indymedia ausschließlich verbreitet, wie die Polizei, die anfangs nur versucht hat die Antifas vom NPD-Zug fern zu halten (um erwähnte Ausschreitungen zu verhindern), offenbar ohne Grund arme Punks zusammenschlägt und mit Pfefferspray ruhigstellt. Und schon hat man das zweite Feindbild, wodurch sich andere Gesinnungskollegen dazu animiert fühlen, auch gegen die “Nazibullen” vorzugehen, selbst wenn diese nur ihren verdammten Job tun. Ich sage nicht, dass bei der Polizei in solchen Fällen alles mit rechten Dingen zugeht. Man muss ihnen aber konstatieren, dass sie meistens wirklich nur versuchen, eine demokratisch legitimierte Demonstration halbwegs friedlich über die Bühne zu bringen. Warum diese meistens auf Antifas losgehen? Mal kurz nachdenken – von welcher Seite wird meistens “gestört”? Die Nazis sind bis auf ihre zugegebenermaßen uncoolen Parolen friedlich, solange sie im Rampenlicht stehen. In dem Fall also in der Opferrolle. Welche Partei bleibt übrig? Den Rest bitte selbst zu Ende denken.
Anderes Thema, ähnlicher Kontext. Demokratie. Es gibt ja Leute, die behaupten, man müsste die NPD verbieten, weil sie klar antidemokratische Ziele verfolgt. Wir schlagen im Kopf mal nach, was “Demokratie” u.a. bedeutet: Herrschaft durch das Volk und für das Volk. Jetzt ein Gedankenexperiment: Angenommen, die NPD hätte eine bundesweite absolute Mehrheit von meinetwegen 70%. Ja, ich fänds auch scheiße, aber das ist jetzt nur hypothetisch. Wenn 70% der Bevölkerung der NPD dabei zustimmt, die Demokratie abzuschaffen und wieder eine Monarchie einzuführen, wäre diese Entscheidung doch total demokratisch. Was wäre also im Sinne einer Volksherrschaft: Dem Volk die rechtliche Möglichkeit einräumen, das bestehende System abzuschaffen oder das Gegenteil, nämlich Demokratie um ihrer selbst willen? Auch hier bitte selbst zu Ende denken.
Ich distanziere mich natürlich von den Zielen der NPD und anderer Nazi-Elemente. Dennoch widerspricht es meinem Gerechtigkeitsempfinden, denen ihre Meinungsfreiheit absprechen zu wollen. Oder, wie ein der Redaktion bekannter Berliner Autor sagt: Bloß gut dass Nazis scheiße sind, sonst müsste man sie glatt verbieten.
Schönen Tag noch, ich habe fertig.
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| Geschrieben von .nemesis unter Uncategorized Kommentar » (0 Kommentare) |



